Wir haben sie Ihnen bereits vorgestellt: die Hydraulik und hydraulische Anlagen, mit ihren Vor- und Nachteilen, ihren einzelnen Bestandteilen, wie Hydraulikzylinder oder Pumpe, und ihrer Funktionsweise. Wer hydraulische Anlagen verwendet, der weiß, dass durch die richtige Wartung und optimale Inbetriebnahme der Anlagen, die Lebensdauer deutlich erhöht wird.

Um gute Wartung und Instandhaltung hydraulischer Systeme geht es heute: Welche Rollte spielt Luft in einem hydraulischen System? Warum ist das Entlüften wichtig und worauf muss man achten? Gibt es Indizien und Hilfe, um Schäden zu erkennen und wie kann man Fehler vermeiden? Die Antworten darauf, finden Sie auf dieser Seite.

Sie benötigen eine Beratung zu Ihrem hydraulischen System? Wir unterstützen Sie bei der Planung, Herstellung, Wartung und Inbetriebnahme von hydraulischen Anlagen & Aggregaten

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Luft in Hydrauliksystemen

Planmäßig befindet sich Luft nur an einer Stelle im Hydrauliksystem, und zwar im Hydrauliktank, oberhalb des Füllstandes, also über dem Öl. Diese Luft hat einen Sauerstoffgehalt von ca. 21% und ist unproblematisch. Kritisch wird das Ganze erst, wenn sich die Luft in das Hydrauliköl mischt.

hydraulik tank

Der Hydraulik Tank

Eine ungewollte Vermischung von Luft und Öl kann passieren, wenn eine Leitung bzw. Zuläufe zu weit oben angebracht wurden und das Hydrauliköl, wie ein Wasserfall, von oben herab in den Behälter strömt. Die Folge ist ein unerwünschtes Luft-Öl-Gemisch, das zu schwerwiegenden Beschädigungen der Anlage, samt Dichtung, Zylinder, Pumpen und Schläuchen, führen und undichte Stellen verursachen kann.

Undichte Stellen

Undichte Stellen, in beispielsweise einem Anschluss, Zylinder oder Ventil, führen dazu, dass weitere Luft in das System gelangen kann. Dies geschieht, wenn einzelne Komponenten beschädigt sind oder an Dichtungen, die stark belastet werden, wie beispielsweise den Dichtlippen von Hydraulikzylindern.

Warum muss man Hydraulik entlüften?

Sie kennen es bestimmt von ihrer Heizung zu Hause, die Sie in regelmäßigen Abständen entlüften müssen. Befindet sich nämlich zu viel Luft im Heizkörper, wird die Heizung weniger warm, macht abenteuerliche Geräusche und die Heizleistung lässt deutlich nach.

Ungefähr so ist es auch, wenn Luft im Kreislauf einer Hydraulikanlage ist. Dazu kommt allerdings noch, dass die Luft im hydraulischen System zu kleinen Explosionen führen kann – und diese sind alles andere als gut, wie wir weiter unten sehen werden.

Wenn wir von Luft innerhalb einer Hydraulikanlage oder Hydraulikpumpe sprechen, dann meinen wir keine großen Luftblasen, nein, Luft innerhalb eines hydraulischen Systems meint kleine Luftbläschen, die sich mit der Hydraulikflüssigkeit vermischen.

Diese vermeintlich klitzekleinen Bläschen sind nicht zu unterschätzen, denn sie können einen unschönen Effekt haben und erheblichen Schaden anrichten. Sie können zu frühzeitiger Abnutzungführen. Sie haben die Kraft Dichtungen, Zylinder und weitere Komponenten zu beschädigen.

Folgen von Luft im hydraulischen System

Die Folgen von ungewollten Luftbläschen in einem hydraulischen System können unterschiedlich schwerwiegend sein und zu einem langfristigen Problem werden. Zum Einen kann es zur Beeinflussung der Steuerung kommen: Luft in einem Hydrauliksystem kann Einfluss auf die Steuerung nehmen, die sich dadurch weniger präzise bedienen lässt.

Zum Anderen, und hierbei handelt es sich um eine besonders unangenehme Folge, kann es zu Verschleiß und innerer Beschädigung der Anlage kommen: Hiervon sind besonders häufig die Dichtungen betroffen. Bei hohen Drücken auf die Mischung aus Öl und Luftbläschen, können sogenannte „Mikro-Explosionen“ entstehen, wodurch die Dichtungen beschädigt werden.

Zu diesen klein anmutenden Explosionen kommt es, wenn sich Luftblasen ausweiten und gemeinsam mit dem Hydrauliköl unter großen Druck gesetzt werden. Diese Explosionen bezeichnet man in der Praxis auch als Dieseleffekt.

Der Dieseleffekt

Bei besonders hohem Druck kann Luft, die sich im Hydrauliköl befindet zum sogenannten Dieseleffekt führen.

Die Bezeichnung „Dieseleffekt“ leitet sich von der Funktionsweise des Dieselmotors ab, da es sich hierbei ebenfalls um einen chemisch-physikalischen Prozess handelt: Es kommt zu einer Explosion, in dem ein Gemisch aus Öl und Gas (Luft) stark zusammen gedrückt wird. Innerhalb einer Hydraulikanlage können diese Explosionen, auch wenn sie unscheinbar wirken und oftmals unbemerkt bleiben, zu innerem Verschleiß und Beschädigungen führen.

Wann ist eine Entlüftung notwendig?

Besonders wichtig ist eine Entlüftung von Hydrauliksystemen bei der ersten Inbetriebnahme. Übrigens: bevor Sie ihre neue Hydraulikanlage und Hydraulikzylinder voll einsetzen, sollten Sie, neben der Entlüftung, alle Funktionen überprüfen, angefangen bei der Saugleitung und Pumpe, über die Zylinder und Filter, bis hin zur Ackerschiene und den Verschraubungen. Die erste Inbetriebnahme starten Sie am besten mit nur geringem Druck.

Beim Ölwechsel oder wenn Leitungen und Ventile geöffnet wurden, muss die Anlage ebenfalls achtsam entlüftet werden.

Wegeventil

Wegeventil von Busch Hydraulik

Indizien für einen Dieseleffekt und innere Beschädigung

Wie bereits erwähnt, geschehen „Mikro-Explosionen“ oder ein Dieseleffekt häufig so unscheinbar, dass diese nicht auffallen. Ein Indiz, um solch innere Beschädigungen zu erkennen, gibt es aber: Durch die kleinen Explosionen wird das Hydrauliköl verschmutzt und verfärbt sich dunkel. Sollten Sie eine Schwarzfärbung des Öls bemerken, könnte es sein, dass irgendwo in ihrer Anlage ein Dieseleffekt auftritt.

Wie läuft eine Entlüftung ab?

Bei dem Entlüften von Hydrauliksystemen werden nacheinander alle Funktionen im Leerlauf mit sehr niedrigem Druck, aber vollem Zylinderhub betätigt. Die Entlüftung sollte an der höchsten Stelle des Rohrleitungsnetzes durchgeführt werden. Ähnlich wie bei der Entlüftung eines Heizkörpers, löst man zum Entlüften einer hydraulischen Anlage die Verschraubung leicht. So kann die Luft, mit geringem Ölaustritt, wunderbar entweichen.

Sobald kein schäumendes Öl mehr austritt, ist das System entlüftet und Sie können die Verschraubung wieder anziehen. Die Ölmenge, die bei der Entlüftung ausgetreten ist, füllen Sie anschließend bitte entsprechend nach, damit ausreichend Öl in ihrem Hydrauliksystem vorhanden ist und Sie wieder optimalen Druck erzeugen können.

Spezielle Hydraulikanlagen mit Entlüftungsschrauben

Bei manchen Hydraulikanlagen befinden sich Entlüftungsschrauben am Hubzylinder. Ist dies der Fall, können Sie ihre Anlage direkt sorgfältig an dieser Stelle entlüften. Wichtig ist, dass dabei der volle Zylinderhub mehrmals betätigt und bewegt wird, so dass Sie sicher sein können, dass keine Luftrückstände mehr im System sind.

Bei Zylindern, die horizontal angeordnet sind, sollten sich die Entlüftungsschrauben stets oben befinden.

Vorbeugung und Beiträge zum Schutz der Anlage

Was kann man tun, damit es weder zu einem Dieseleffekt, noch zu Schäden durch ungewollte Luftteilchen kommt? Neben der regelmäßigen Entlüftung, gibt es mittlerweile Bauteile, die eine erfolgreiche Antwort auf das Luft-Problem sind und das Eingasen von Luftanteilen in das Öl verhindern können. Hierzu zählen zum Beispiel Entgasungsmodule für Tanks und Leitungen oder Entlüftungsventile für Hydraulikzylinder.

Hydraulik entlüften – Zusammenfassung

Ob sich Luft in einem hydraulischen System befindet, lässt sich mit bloßem Auge oftmals nicht feststellen. Auch eine Dichtung, die auf den ersten Blick intakt und voll funktionsfähig erscheint, kann undicht sein und eventuell somit zu weiteren Luftanteilen in der Flüssigkeit führen.

Damit Sie lange Freude an ihrer Hydraulikanlage haben, empfehlen wir Ihnen ihre Hydraulikanlage in regelmäßigen Abständen zu entlüften und auf eine Schwarzfärbung des Öls zu achten.

Wir hoffen Ihnen Antworten auf all ihre Fragen gegeben zu haben und freuen uns, wenn wir Sie auch persönlich beraten dürfen.

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